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Der komplette Ratgeber zu MIPS Reithelmen. Was jeder Reiter wissen sollte | YELM Der komplette Ratgeber zu MIPS Reithelmen. Was jeder Reiter wissen sollte | YELM

Reithelm mit MIPS – der komplette Leitfaden für Reiter

Von Erik Lidén, Mitgründer von YELM Protection · Lesezeit: 8 Minuten

Kurze Antwort:

Ein Reithelm mit MIPS ist ein Reithelm mit einem Multi-directional Impact Protection System: einer reibungsarmen Schicht zwischen Außenschale und Innenfutter, die den Helm bei einem schrägen Aufprall 10 bis 15 Millimeter rotieren lässt. Diese Bewegung lenkt Rotationskräfte vom Gehirn weg und senkt das Risiko einer Hirnverletzung bei genau der Art von Sturz, die im Reitsport am häufigsten vorkommt.

Wenn du reitest, hast du von MIPS vermutlich schon gehört. Vielleicht kennst du den gelben Punkt von Fahrrad-, Ski- oder Motorradhelmen. Weniger bekannt ist, dass MIPS genau mit Blick auf Rotationsverletzungen entwickelt wurde – und Rotationsverletzungen sind exakt das, was passiert, wenn ein Reiter vom Pferd fällt.

In diesem Leitfaden erkläre ich, was MIPS tatsächlich leistet, warum es beim Reiten stärker ins Gewicht fällt als in fast jeder anderen Sportart und worauf du bei der Wahl eines Reithelms achten solltest. Ich bin dabei auch ehrlich zu den Kompromissen, zu den Normen, die wirklich zählen, und dazu, wie oft ein Reithelm ersetzt werden sollte.

In diesem Artikel:

  • Was ist MIPS, und wie funktioniert es?
  • Warum Rotationskräfte das eigentliche Risiko bei Reitunfällen sind
  • EN 1384:2023, ASTM F1163-23 – und was aus VG1 geworden ist
  • Wie oft sollte ein Reithelm ersetzt werden?
  • MIPS serienmäßig oder gegen Aufpreis
  • So wählst du den richtigen Reithelm mit MIPS
  • Häufige Fragen

Was ist MIPS, und wie funktioniert es?

MIPS steht für Multi-directional Impact Protection System. Entwickelt wurde es Ende der 1990er-Jahre vom schwedischen Neurochirurgen Hans von Holst gemeinsam mit Forschenden der Königlich Technischen Hochschule (KTH) in Stockholm, nachdem von Holst festgestellt hatte, dass herkömmliche Helme Schädelbrüche gut verhindern, Hirnverletzungen aber nicht. Heute lizenziert MIPS AB die Technologie an Helmhersteller aus den Bereichen Radsport, Skisport, Motorrad und Reitsport.

Der Mechanismus ist verblüffend einfach. Im Inneren eines Helms mit MIPS sitzt eine dünne, reibungsarme Schicht – meist eine gelbe Kunststofflage zwischen dem EPS-Kern und dem Innenfutter, das am Kopf anliegt. Trifft der Helm schräg auf, kann sich die Außenschale 10 bis 15 Millimeter unabhängig vom Innenfutter bewegen. Diese kleine Bewegung nimmt Rotationsenergie auf, die sonst auf das Gehirn übertragen würde.

Ohne MIPS bewegen sich Helm, Schädel und Gehirn gemeinsam, wenn du im Winkel auf den Boden triffst. Das Gehirn rotiert im Schädel, wodurch Nervenfasern und Blutgefäße gedehnt werden. Das ist der Mechanismus hinter Gehirnerschütterungen, diffusen axonalen Verletzungen und vielen Langzeitfolgen eines Kopftraumas.

Warum Rotationskräfte das eigentliche Risiko sind

Die meisten Stürze sind keine geraden, senkrechten Aufpralle. Sie sind schräg. Du rutschst seitlich vom Pferd, triffst mit dem Kopf im Winkel auf den Boden, und der Helm gleitet, bevor er stoppt.

Die Normprüfungen für Helme, darunter die europäische EN 1384 und die amerikanische ASTM F1163, testen vor allem lineare Aufpralle. Ein Gewicht fällt aus definierter Höhe auf den Helm, und gemessen wird, wie viel Kraft auf den Prüfkopf übertragen wird. Diese Prüfung ist notwendig, bildet aber nicht ab, was bei einem Reitunfall tatsächlich passiert.

Unabhängige Forschung bestätigt das durchgängig. Folksam testet Reithelme seit 2014 unabhängig, und die besten Helme im Test verfügen durchweg über einen Rotationsschutz wie MIPS. Auch das Virginia Tech Helmet Lab kommt in seinen Reithelm-Bewertungen konsistent zu dem Ergebnis, dass Helme mit Rotationsschutz ein deutlich geringeres Risiko für Gehirnerschütterungen bedeuten.

EN 1384:2023, ASTM F1163-23 – und was aus VG1 geworden ist

Beim Kauf eines Reithelms sollten zwei Zertifizierungen nicht verhandelbar sein. Die erste ist EN 1384:2023, die europäische Norm für Reithelme. Die zweite ist ASTM F1163-23, das amerikanische Gegenstück.

EN 1384:2023 legt unter anderem Energieaufnahme, Stabilität des Helms und den abzudeckenden Kopfbereich fest. ASTM F1163-23 ergänzt etwas andere Aufprallkriterien und ist für viele amerikanische Turniere verpflichtend. Die meisten europäischen Premium-Reithelme, unserer eingeschlossen, sind nach beiden Normen zertifiziert.

Ein Punkt sorgt im deutschsprachigen Raum bis heute für Verwirrung: VG1 01.040:2014-12. Viele Kaufratgeber führen VG1 weiterhin als Pflichtnorm auf. VG1 war jedoch eine europäische Übergangsnorm und ist inzwischen durch EN 1384:2023 abgelöst. Ein Helm, der nach EN 1384:2023 zertifiziert ist, erfüllt den aktuellen Stand – eine zusätzliche VG1-Kennzeichnung brauchst du nicht. Für Turniere gilt die jeweils aktuelle LPO der FN; prüfe dort die geltende Fassung, bevor du startest.

MIPS selbst ist nicht Teil dieser Normen. Ein Helm kann ohne MIPS zertifiziert sein, und ein Helm mit MIPS muss die zugrunde liegenden Prüfungen trotzdem bestehen. MIPS ist eine zusätzliche Schutzebene über der Zertifizierung, kein Ersatz dafür.

Wie oft sollte ein Reithelm ersetzt werden?

Die gängige Faustregel lautet: alle drei bis fünf Jahre ab der ersten Nutzung – oder sofort nach einem deutlichen Aufprall, auch wenn du keinen Schaden erkennen kannst. Der EPS-Kern, der die Energie aufnimmt, ist für einen einzigen Aufprall ausgelegt. Einmal komprimiert, kehrt er nicht in seinen ursprünglichen Zustand zurück.

Drei Faktoren beschleunigen die Alterung: UV-Licht, Schweiß und Feuchtigkeit sowie extreme Temperaturen. Ein Helm, der im heißen Auto liegt oder in der prallen Sonne am Haken hängt, altert schneller als einer, der kühl und trocken gelagert wird. Die Kunststoffschale kann verspröden, der Schaum an Dichte verlieren.

Wenn du stürzt – auch bei einem Sturz, der sich nicht hart angefühlt hat –, tausche den Helm. Der Schaum kann auf eine Weise komprimiert sein, die von außen unsichtbar ist, seine Fähigkeit zur Aufnahme eines zweiten Aufpralls aber bereits verloren hat. Viele Hersteller, wir eingeschlossen, bieten nach einem dokumentierten Sturz einen Rabatt auf einen neuen Helm an – genau deshalb, weil Reiter tauschen statt weiterbenutzen sollen.

MIPS serienmäßig oder gegen Aufpreis

Nicht jede Marke behandelt MIPS gleich. Manche verbauen es serienmäßig in jedem Helm. Andere bieten es nur in Premium-Modellen oder gegen Aufpreis an. Einige Marken, darunter sehr renommierte Namen im Reitsport, bieten es gar nicht an.

Aus meiner Sicht – nach zwei Jahrzehnten im Bau von Schutzausrüstung – hat die Frage, ob MIPS Serie oder Aufpreis sein sollte, eine klare Antwort. Rotationsschutz darf kein Luxusmerkmal sein. Er adressiert den häufigsten Verletzungsmechanismus bei Stürzen. Wer dafür extra Geld verlangt, sendet ein falsches Signal darüber, wie ernst er Kopfverletzungen nimmt.

Deshalb haben wir unseren Hybrid Helmet 2.0 in jeder Variante mit MIPS serienmäßig gebaut. Es gibt kein MIPS-Upgrade und keine Version ohne. Wer einen YELM-Helm trägt, hat Rotationsschutz.

So wählst du den richtigen Reithelm mit MIPS

Wenn du einen Reithelm mit MIPS suchst, geh diese Fragen der Reihe nach durch:

  • Ist er nach EN 1384:2023 und ASTM F1163-23 zertifiziert? Wenn nicht, such weiter. Das ist die Basis für einen Reithelm, der in Europa verkauft wird.
  • Ist MIPS im Preis enthalten oder Aufpreis? Wenn es Aufpreis ist, rechne die Gesamtkosten – und frag dich, was die Preisgestaltung über den Stellenwert von Rotationsschutz bei dieser Marke aussagt.
  • Sitzt der Helm richtig? MIPS wirkt nur, wenn der Helm beim Sturz an Ort und Stelle bleibt. Ein zu lockerer Helm rotiert, bevor MIPS arbeiten kann; ein zu enger erzeugt Druckstellen. Nutze die Größentabelle und miss den Kopfumfang etwa 2 cm über den Augenbrauen.
  • Wie viel wiegt er? Ein schwerer Helm ermüdet auf langen Einheiten stärker und kann die Nackenbelastung bei einem Sturz erhöhen. Premium-Helme liegen meist zwischen 500 g und 700 g. Unserer wiegt 550 g.
  • Gibt es einen Magnet- oder Einhandverschluss? Das ist kein Sicherheitsmerkmal, aber ein Alltagsmerkmal – es entscheidet, ob du den Helm jedes Mal richtig schließt, gerade mit Handschuhen.
  • Wie sieht das Austauschprogramm nach einem Sturz aus? Eine seriöse Marke bietet einen Rabatt oder ein Austauschprogramm an. Das zeigt, dass sie erwartet, dass du nach einem Sturz wechselst.

Häufige Fragen

Ersetzt MIPS die Zertifizierung nach EN 1384?

Nein. MIPS ist eine zusätzliche Schicht für Rotationsschutz, die auf der Normzertifizierung aufsetzt. Ein Helm mit MIPS muss EN 1384:2023 und ASTM F1163-23 weiterhin bestehen. Kauf nie einen Helm, der MIPS hat, aber keine zugrunde liegende Zertifizierung.

Gilt VG1 noch?

VG1 01.040:2014-12 war eine Übergangsnorm und wurde durch EN 1384:2023 abgelöst. Viele deutschsprachige Kaufratgeber führen VG1 noch als Pflicht auf – das ist überholt. Achte auf EN 1384:2023 und prüfe für Turniere die aktuelle LPO.

Ist nachgewiesen, dass MIPS Gehirnerschütterungen reduziert?

Unabhängige Tests von Folksam in Schweden und vom Virginia Tech Helmet Lab in den USA zeigen konsistent, dass Helme mit Rotationsschutzsystem weniger Rotationskraft auf den Prüfkopf übertragen als Helme ohne. Rotationskraft ist stark mit Gehirnerschütterungen und diffusen Hirnverletzungen verbunden, eine Reduktion sollte diese Verletzungen also verringern. Epidemiologische Studien aus der Praxis laufen weiterhin.

Kann ich MIPS in einem vorhandenen Helm nachrüsten?

Nein. MIPS ist ein vollständiges Innensystem, das von Anfang an in den Helm konstruiert werden muss. Nachrüstsätze sind nicht seriös. Wer Rotationsschutz will, braucht einen Helm, der damit gebaut wurde.

Woran erkenne ich, ob ein Helm MIPS hat?

Echte MIPS-Helme tragen das MIPS-Logo am Helm, auf der Verpackung und in der Produktspezifikation. Das gelbe MIPS-Innenfutter ist meist sichtbar, wenn du in den Helm schaust. Die Partnerschaft einer Marke kannst du direkt auf der Website von MIPS prüfen. Nutzt eine Marke eine alternative Technologie für Rotationsschutz, sollte sie das in der Spezifikation klar ausweisen.

Lohnt sich MIPS gegen Aufpreis?

Wenn MIPS als Option angeboten wird, lautet meine Antwort ja – Rotationsschutz ist das wichtigste Einzel-Upgrade für einen Reithelm. Die bessere Frage ist allerdings, warum eine Marke Rotationsschutz überhaupt als Option verkauft. Wir haben uns dafür entschieden, ihn serienmäßig einzubauen, weil wir nicht glauben, dass ein wichtiger Schutz für dein Gehirn optional sein sollte.

Was unterscheidet den YELM Hybrid Helmet 2.0 von anderen MIPS-Helmen?

Unser Hybrid Helmet 2.0 kombiniert MIPS serienmäßig mit einer Zertifizierung nach EN 1384:2023 und ASTM F1163-23, einem magnetischen Einhandverschluss, 550 g Gewicht und einem modularen Zubehörsystem, mit dem sich eine Silva-Stirnlampe oder ein Tocsen-Sturzsensor ohne Modifikation des Helms montieren lassen. Entworfen in Schweden, gebaut für Reiter, die zwischen Schutz, Alltagstauglichkeit und Ästhetik keinen Kompromiss eingehen wollen.

Ein Wort vom Gründer

YELM ist entstanden, weil Alexandra keinen Helm finden konnte, der sich zugleich wirklich schützend anfühlte und nach etwas aussah, das sie tragen wollte. Ich kam aus dem Skischutzbereich, wo Rotationsschutz seit Jahren Standard war, und konnte nicht verstehen, warum der Reitsport hinterherhinkte.

Wenn du eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese: Rotationsschutz ist nicht optional. Ob du uns wählst oder eine andere Marke, die MIPS ernst nimmt – sorg dafür, dass dein nächster Helm ihn hat. Dein Gehirn ist mehr wert als der Aufpreis, den manche Marken dafür verlangen.

Und wenn du zusätzlich über eine Weste nachdenkst: Ich habe einen eigenen Leitfaden zu Reitwesten nach EN 1621-2 Level 2 geschrieben und dazu, wie beide Produkte zusammenwirken.

Ride safe, ride free.

— Erik Lidén

Über den Autor

Erik Lidén ist Mitgründer von YELM Protection. Bevor er YELM 2021 gemeinsam mit Alexandra Berhe gründete, verbrachte er zwei Jahrzehnte im Skischutzbereich, unter anderem in leitenden Produktrollen, in denen er Kopf- und Körperschutz für Athletinnen und Athleten der Weltspitze entwickelte.

Entdecke den YELM Hybrid Helmet 2.0 – MIPS serienmäßig, zertifiziert nach EN 1384:2023 und ASTM F1163-23, 550 g, Magnetverschluss. Kostenloser Versand und 30 Tage Rückgaberecht. Mehr zur Technologie findest du auf unserer Seite zum MIPS-Sicherheitssystem.

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